Ende einer Tradition: Eutiner Stadtcafé schließt

Nach 17 Jahren als Gastronomen am Markt ziehen die beiden einen Schlussstrich. Am 14. November servieren sie zum letzten Mal Sahnestücke und Milchkaffee.

Am 14. November ist für die Betreiber Monika und Holger Pulvermann Schluss

Das Stadtcafé Eutin ist eine Institution und weithin bekannt für seine Torten und Blechkuchen. Bei Monika und Holger Pulvermann einzukehren, verheißt nicht nur süßen Genuss, sondern immer auch ein kleines Pläuschchen. Damit wird es bald vorbei sein. Nach 17 Jahren als Gastronomen am Markt ziehen die beiden einen Schlussstrich. Am 14. November servieren sie zum letzten Mal Sahnestücke und Milchkaffee.

Das Café aufzugeben, falle ihr schwer, sagt Monika Pulvermann. „Es war unser zweites Wohnzimmer.“ Aber: „Wir freuen uns auch auf einen neuen Lebensabschnitt“, bekennen beide. Das Ehepaar hat über 40 Jahre lang in der Gastronomie gearbeitet. Nach so vielen Jahren sei es an der Zeit, sich zurückzuziehen. Für Monika Pulvermann heißt das Ruhestand. Holger Pulvermann beendet seine Selbstständigkeit in der Gastronomie, arbeitet aber weiter als angestellter Koch.

Lockdown hat Spuren hinterlassen

Im langen Lockdown in der Corona-Pandemie habe er sich entschlossen, sich eine Anstellung zu suchen, erzählt er. Um die Kosten für das Café zu decken, war das Ehepaar im Winter auch gezwungen, seine Altersversorgung anzugreifen. Holger Pulvermann hat Sorge, dass ein weiterer Lockdown kommen könnte, „und die Gastronomie wird es als erstes merken“. Wie sehr Corona sich noch auswirke, sei im Stadtcafé spürbar: „Wir sind ein Café mit älterem Publikum, viele Gäste sind nicht wiedergekommen, weil sie sich wohl noch nicht wieder unter Leute trauen.“

Die Pandemie habe ihnen jedoch auch gezeigt, „wie schön es ist, Weihnachten und Ostern mal für uns zu sein“, sagt Monika Pulvermann. „Ein ungeahntes Gefühl. An Feiertagen haben wir sonst immer gearbeitet. Zu Neujahr waren wir in Eutin die einzigen, die geöffnet hatten“, ergänzt ihr Mann, der sich sehr darüber freut, an seinem neuen Arbeitsplatz jedes Wochenende frei zu haben.

Lange Tradition endet

Zwei Jahre lang betrieben Pulvermanns das Café im Schloss, ehe sie 2005 das Stadtcafé total renovierten und übernahmen. Eierlikör-Schmand, Windbeutel-Kirsch und Co., der Renner Florentinertorte, alles selbst gemacht. Wer noch mal kalorienreich schwelgen will, muss sich sputen. Pulvermanns hoffen zwar, dass sich noch ein Nachfolger findet. Ansonsten werden am Sonntag, 14. November, letztmalig Torten und Kuchen im Stadtcafé kredenzt.

Am 17. November würde dann ein Ausverkauf von Mobiliar, Geschirr, Dekoration und Büchern beginnen – allein etwa 3500 Schmöker gehören zum Fundus des auch für diese litararische Besonderheit bekannten Eutiner Stadtcafés.

Stadtcafé Eutin: Monika und Holger Pulvermann hören auf. Foto: Ulrike Benthien

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